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Mehr als Fußball

21. August 2026

Bei Jan Glienke-Thurau gehört der Ball in jedes Training, aber nicht alles dreht sich um den Ball. Als E-Jugendtrainer von Bergfelde geht es für ihn um Entwicklung, Disziplin, Teamgeist und vor allem um eines: den Spaß am Fußball. Ein Gespräch über kleine und große Momente, besondere Spieler und die Frage, was Kinder Erwachsenen eigentlich voraus haben.

E-Jugend – das ist eine spannende Phase. Die Kinder werden älter, das Spiel wird strukturierter, erste taktische Elemente kommen hinzu und gleichzeitig ist noch immer ganz viel Platz für Spontaneität und Begeisterung.

Genau das macht für Jan Glienke-Thurau den Reiz dieser Altersklasse aus. „Jeder Jahrgang hat seinen eigenen Reiz“, sagt er. In der E-Jugend würden neben der spielerischen Entwicklung langsam auch taktische Elemente hinzukommen. Gleichzeitig wachse der Ehrgeiz, sich in jedem Training zu verbessern.

„Aber der Spaß steht immer im Vordergrund.“

Fußball beginnt nicht erst mit dem Anpfiff Für den Trainer gehört zur Entwicklung seiner Spieler allerdings mehr als eine gute Ballannahme oder ein erfolgreicher Abschluss. Disziplin und gegenseitiger Respekt spielen eine zentrale Rolle und beginnen für ihn bei kleinen Dingen.

„Ich lege großen Wert darauf, dass jedes Kind uns Trainer vor dem Training persönlich begrüßt. Das ist eine Sache des gegenseitigen Respekts.“

Auch im Training sollen die Kinder lernen zuzuhören, konzentriert zu arbeiten und sich auf die Aufgaben einzulassen. Dass das in seiner Mannschaft funktioniert, freut Glienke-Thurau besonders: „Bei unserer E-Jugend klappt das hervorragend.“

Was Erwachsene von Kindern lernen können

Vielleicht ist es aber gerade diese Perspektive, die im Fußball manchmal verloren geht: Kinder nehmen nicht alles ganz so schwer.

Gefragt danach, was Erwachsene von ihnen lernen könnten, nennt Glienke-Thurau Eigenschaften, die eigentlich selbstverständlich klingen und gerade deshalb gerne einmal vergessen werden.

„Verhalten, Pünktlichkeit, Respekt und eine große Portion Spaß und nicht alles immer so ernst sehen.“

Auch der Fußballplatz selbst wird dabei zum Lernort. Teamgeist, Kameradschaft und Disziplin lassen sich nicht nur auf dem Trainingsplan finden. Gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren, füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen, vieles davon passiert ganz nebenbei zwischen Anpfiff und Abpfiff.

Die Momente, die bleiben

Dass gerade diese Entwicklung besondere Erinnerungen schafft, zeigt ein Blick zurück. An einige Erfolge denkt Glienke-Thurau besonders gerne zurück, etwa an den zweiten Platz beim Werbellinseecup in der vergangenen Saison, bei dem sich seine Mannschaft gegen namhafte Konkurrenz behauptete.

Auch die Saison 2022/23 ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Damals stellte Bergfelde zwei E-Junioren-Teams, die am Ende Platz eins und zwei in der Liga belegten.

Doch am Ende sind es nicht unbedingt die Tabellenplätze, die für einen Jugendtrainer den größten Wert haben. „Die vielen guten Spieler, die ich beziehungsweise wir schon ausgebildet haben und die sich stark im Fußball und in ihrer Persönlichkeit weiterentwickelt haben“, gehören für ihn zu den schönsten Erinnerungen. Einige Spieler seien ihm dabei besonders ans Herz gewachsen.

Wenn plötzlich der Kapitän vorangeht

Eine dieser Geschichten erzählt Glienke-Thurau und die hat alles, was eine gute Fußballgeschichte braucht.

In einem Heimspiel gegen Bötzow stand es zur Halbzeit 1:1. Der Kapitän Joni, eigentlich eher schüchtern und zurückhaltend, begann plötzlich, seine Mannschaft mit klugen Worten zu motivieren. Das erlebte der Trainer dieser Altersklasse bislang noch nicht.

Dann kam die zweite Halbzeit. Gegner Bötzow traf innerhalb von zwei Minuten zweimal. Aus dem 1:1 wurde ein 1:3. Joni, der normalerweise etwas weiter hinten im zentralen Mittelfeld spielt, wurde nach vorne beordert.

Was anschließend passierte, dürfte auch für ihn selbst überraschend gewesen sein: Drei Tore in drei Minuten. Endstand: 7:3. „Der Moment war schon besonders, auch für die Kids.“

Für einen Jugendtrainer sind genau solche Augenblicke wahrscheinlich mindestens genauso wertvoll wie jeder Pokal. Denn plötzlich wird sichtbar, was in einem Spieler steckt, wenn er den Mut findet, es zu zeigen.

Die größte Aufgabe: Etwas mitgeben, das bleibt

Was von einem Trainer bleibt, lässt sich schließlich nicht an Tabellenplätzen messen. GlienkeThurau wünscht sich vor allem, dass seine Spieler später gerne auf diese Zeit zurückblicken.

„Ich möchte, dass die Kids mit mir Spaß hatten und vielleicht auch etwas von mir gelernt haben.“

Und noch etwas ist ihm wichtig: „Sie sollen im späteren Leben genauso vernünftig bleiben, wie sie es bei mir beim Training sind.“

Jugendfußball ist damit immer auch ein Stück Persönlichkeitsentwicklung. Ein Trainer begleitet Kinder in einer Phase, in der sie nicht nur lernen, wie man einen Ball kontrolliert, sondern auch, wie man mit anderen Menschen umgeht.

Gute Bedingungen und immer Raum für Entwicklung

Auch die Bedingungen in Bergfelde bewertet Glienke-Thurau grundsätzlich positiv. „Unsere Gegebenheiten sind ganz gut“, sagt er. Auch wenn es natürlich immer Dinge gebe, die verbessert werden könnten.

Besonders schätzt er eine Besonderheit in der Bergfelder Jugendstruktur: Die Trainer wechseln normalerweise nicht gemeinsam mit ihren Mannschaften durch die Altersklassen. Für Glienke-Thurau ist genau das eine Stärke.

„Die Kids sollen andere Trainingsmethoden, andere Charaktere, andere Ansprachen und andere Meinungen kennenlernen.“

So können neue Impulse entstehen und die Kinder lernen unterschiedliche Perspektiven auf den Fußball kennen. Gleichzeitig betont Glienke-Thurau ausdrücklich seinen Respekt vor dem Ehrenamt: „Wir Trainer investieren viel von unserer Freizeit.“

Spaß, Entwicklung und natürlich Erfolg

Für die neue Saison sind die Ziele für ihn und seine Trainerkollegen Stefan Molde und Sebastian Petzke deshalb klar, ohne dabei unnötig kompliziert zu werden:

„Spaß haben, Kinder weiterentwickeln und sportlichen Erfolg haben.“

Denn am Ende geht es in der E-Jugend um genau diese Mischung. Besser werden, gemeinsam wachsen, gewinnen wollen und trotzdem nie vergessen, warum man überhaupt auf den Platz geht.

Abschlussfrage: Wer sind derzeit die großen Idole der Kids?

Wer aktuell zu Trainingszeiten der Jugend durch den Sportpark läuft, bekommt einen kleinen Einblick in die Fußballwelt der Kids: „Nach dem Real-Madrid-Camp sind die weißen Trikots gerade besonders häufig zu sehen.“ Dazu kommen die großen Namen des Weltfußballs: Lamine Yamal, Jamal Musiala, Harry Kane, Messi und Ronaldo.

Die Idole wechseln. Die Begeisterung bleibt. Und vielleicht steht irgendwann eines dieser Kinder selbst auf einem Stadionrasen, während der nächste Trainer von einem besonderen Moment erzählt, den er mit ihm erlebt hat. 

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